Rote Fahne 12/2022

Rote Fahne 12/2022

Was sind die Ursachen der steigenden Inflation?

Offiziell 7,9 Prozent Inflation im Mai – Tendenz: schneller steigend! Real sind es für eine Arbeiterfamilie locker 15 Prozent

Von (na)
Was sind die Ursachen der steigenden Inflation?
Christine Lagarde, Chefin der Europäischen Zentralbank, im September 2021: „Inflation von 1,7 % in 2022“ Knapp daneben …

Seit dem Sommer 2021 hat sich die Teuerung kontinuierlich verstärkt – von wegen „vorübergehend“. „Der Krieg ist schuld“ ist eine Ausrede, die Verständnis bei den Massen hervorrufen und die kapitalistische Gesetzmäßigkeit der Inflation verschleiern soll. Warum steigen dann die Preise auch in Ländern, die weder Gas aus Russland noch Weizen aus der Ukraine bekommen? In den USA beträgt die offizielle Inflation fast 9 Prozent. Und warum verdoppelte sich schon vor dem Krieg der Maispreis in Deutschland im Juli 2021 zum Vorjahr? Auch Preise für Weizen und Gas stiegen weltweit von 2020 bis Ende 2021 um 50 Prozent – vor Kriegsbeginn!

 

Damals wie heute gibt es bei diesen Produkten noch gar keine realen Rohstoffengpässe oder Knappheit. Aber die Spekulation an den Börsen auf künftige Ernten und Preise wird mit fetten Gewinnen belohnt – was die Preissteigerung befeuert.

 

Monopolpreise gehen durch die Decke

 

Daneben sind Monopolpreise eine Ursache der Inflation. Wenige internationale Übermonopole diktieren sie. Die Spritpreise an der Tankstelle sind vom Rohölpreis auf dem Weltmarkt regelrecht entkoppelt (Siehe Seite 14/15). Die Mineralölkonzerne machen auf Kosten der Bevölkerung doppelt und dreifach erhöhte Profite – weil sie es können. Das werden die Gaslieferanten aus Katar genauso machen, wie alle anderen. Der Ölförderkonzern Saudi Aramco hat seinen Gewinn zum Vorjahr auf 38 Milliarden Euro um ein Plus von 82 Prozent gesteigert und ist wertvollstes Unternehmen der Welt.1

 

Inflation – staatlich gewollt und gefördert

 

Die Regierungen schanzen als deren Dienstleister den Monopolen weiteres Geld zu: Allein von 2014 bis 2020 wurden in Deutschland staatliche Subventionen in Höhe von 1,3 Billionen Euro bezahlt.2

 

Dem dient auch die „Politik des billigen Geldes“: Der europäische Leitzins liegt bei Null und wurde seit 2011 nicht angehoben. Das entwertet die Sparguthaben der Massen. Zugleich werden Schulden durch Kredite aus früheren Jahren, die zu festen Zinsen aufgenommen wurden, ebenfalls entwertet. Und als größter Schuldner im ganzen Land profitiert die Bundesregierung! Stolze 2,3 Billionen Euro Staatsverschuldung 2021 plus allein 100 Milliarden Euro „Sondervermögen“ zur Aufrüstung. Die Inflation ist heute ihre Hauptmethode zur Abwälzung der Verschuldung auf die Masse der Bevölkerung.

 

Wenn die Europäische Zentralbank im September die Ära der Negativzinsen beenden würde, erhöht das die Gefahr einer offenen Börsenkrise und steigert die Staatsverschuldung immens bis zur Gefahr von Staatsbankrotten. Schon zwei Prozent Zinsen würden die deutschen Staatsschulden jährlich um fast 50 Milliarden Euro erhöhen. Damit steigt zugleich der Zwang zur Abwälzung der Staatsverschuldung auf die breiten Massen. Wie man es dreht: Die Lösung des Krisenchaos liegt nicht innerhalb des Systems, das in einer offenen Weltkrise steckt – sondern in seiner Überwindung.