Rote Fahne 15/2022

Rote Fahne 15/2022

Attraktiver Fußball bei Frauen-EM

Nach drei Siegen steht die Fußballnationalmannschaft der Frauen verdient im Viertelfinale der Europameisterschaft1

Von Leipzig (Korrespondenz)
Attraktiver Fußball bei Frauen-EM
Pfingstjugendtreffen: hier kicken Mädchen und Jungen gleichberechtigt, Foto: RF

Mit drei Siegen bei neun Toren und null Gegentoren zog das deutsche Team souverän in die KO-Runde ein. Noch drei Siege und der neunte Europameistertitel wäre unter Dach und Fach. Damit war nach der blamablen Niederlage gegen Serbien kurz vor der EM nicht zu rechnen.

 

Nach zwei sehr guten und einer ordentlichen Leistung steht das Team vor dem Viertelfinale gegen Österreich. Das Nachbarland zog mit Teamgeist, Kampf und Zusammenhalt ebenfalls in die KO-Runde. England ging wie Deutschland mit drei Siegen, null Gegentoren und sogar 14 erzielten Toren durch die Vorrunde.

 

Das deutsche Team gewann mächtig Sympathien. Dazu trug sicher das bescheidene wie engagierte Auftreten bei. So als Kapitänin Alex Popp gegen Spanien mit dem Trikot von Lea Schüller jubelte. Popp stand nur deshalb in der Startelf, weil Schüller zwischenzeitlich corona-positiv getestet wurde. Oder als die Spielerinnen bei bereits feststehenden Viertelfinaleinzug und Stand von 3:0 gegen Finnland noch jedem Ball nachrannten, als ginge es um Alles. Almuth Schult, ehemalige Stammtorhüterin, neidet ihrer Nachfolgerin nicht den Einsatz – sondern reicht jetzt die Wasserflaschen herum. Das Trainerteam um Martina Voss-Tecklenburg hat die Spielerinnen nicht nur technisch und taktisch optimal vorbereitet, sondern auch viel in den Zusammenhalt investiert.

 

Anders als in vielen Medien dargestellt, war es nicht Olaf Scholz (SPD), der das Thema Spielergehälter aufwarf. Er sprang nur opportunistisch auf eine Diskussion auf, die Lina Magull (FC Bayern), losgetreten hat. Sie forderte einen Mindestlohn von 2000 bis 3000 Euro netto für die Spielerinnen der Ersten und Zweiten Bundesliga. Was für ein Kontrast zu den abartigen Summen ihrer männlichen Kollegen.

 

Die Frauen-EM ist spannend. Top-gesetzte Teams wie Spanien gerieten teilweise ins Straucheln. Vermeintliche Underdogs erkämpften Erfolge. Zum Redaktionsschluss stand Island noch vor Italien. Weitgehend ausgeblendet in den meisten Medien werden kritische Punkte: Die verstärkte Kommerzialisierung auch beim Fußball von Frauen. Nadia Nadim aus Dänemark verteidigt ihre bezahlte Arbeit als „Botschafterin“ für die Männer-WM in Katar und so weiter.

 

Spannende Spiele und anregende Diskussionen drum herum – kein Wunder, dass die EM Spaß macht. Vielleicht schnüren dann wieder mehr junge Frauen die Fußballschuhe. Immerhin haben sich die Mädchen-Teams in Deutschland in den letzten zehn Jahren halbiert. Die Ursachen hierfür wären einen weiteren Artikel wert.